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Gute Schüsse
Grundlage: perfekt geschossene Pfeile
Was ist unter einem guten Schuß zu verstehen
Die überwiegende Zahl der traditionellen Bogensportler/innen betreibt ihr Hobby zur Entspannung und Erbauung. Die Kontaktpflege mit Gleichgesinnten spielt dabei ebenso eine Rolle, wie das Kennenlernen neuer Umgebungen. Ihr Terrain ist der Parcours und Ihre Ziele sind in der Regel 3-D-Figuren und/oder Tierbildauflagen. Bei ihnen steht der Freizeitwert des Bogenschießens höher als der Sinn eines sportlichen Wettbewerbs. Wettbewerbe sind zwangsläufig auf (gute) Ergebnisse ausgerichtet.
Nun sollte sich die Gruppe der Freizeitschützen nicht unbedingt von meiner Vorstellung vom Bogenschießen – einer rein sportlichen – angesprochen fühlen.
An mir ist z,B. kein verhinderter Jäger verloren gegangen, auch wenn mein Bogen allgemein als "Jagdbogen" zu bezeichnen ist. Der Bogenstil, den ich schieße, ist der eines "traditionellen Recurve".
Meine Ambition ist die 18m-FITA-Hallendistenz (aus mehreren Gründen). Ich trainiere natürlich überwiegend im Freien! Als Zielbild verwende ich Ringauflagen, meist aber nur 12cm-Klebemitten einer 40ger Auflage.
Meine Einstellung ist völlig wertfrei - auch gegenüber allen anders strukturierten Bogenaktivitäten! Das ganze sehe ich mehr als Philosophie an. Bleibt jedoch zu klären, was für mich gute Schüsse sind bzw. was nicht.
In Verbindung mit Treffern teile ich diese in vier Gruppen ein:
Schüsse - Treffer
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gute - gute
gute - schlechte
schlechte - gute
schlechte - schlechte
Gute Schüsse können also neben guten Treffern auch „schlechte“ Treffer bringen. Trotzdem können auch diese Schüsse gut gewesen sein! Allerdings gibt es auch die umgekehrte Kombination, also Schüsse, die für mich gefühlsmäßig als „schlecht“ eingestuft werden, die Pfeile aber trotzdem im Gold landen. Und natürlich gibt es auch die schlechten Schüsse in Verbindung mit schlechten Treffern.
Damit ist zwar gesagt, was für mich zählt: Erst einmal gute Schüsse abzugeben, ganz gleich, wie die Trefferlage ausfällt. Mein Bestreben ist natürlich, dabei auch möglichst viele gute Treffer zu landen. Gute Treffer sind aber nicht alles, was einen gute Schuß ausmacht.
So sollte sich während des Ablaufs unbedingt ein gutes Schußgefühl einstellen. Dieser Zustand ist, zugegeben, sehr schwer zu beschreiben und vielleicht versteht auch jeder etwas anderes darunter. Eventuell läßt es sich so ausdrücken, daß man einfach in diesem Moment mit sich und der ganzen Welt zufrieden ist - oder so ähnlich.
Wie sind gute Schüsse zu erreichen
Gute Schüsse produzieren zu wollen, dürfte wohl von keinem Bogenschützen in Abrede gestellt werden. Dieses Ziel zu erreichen ist allerdings alles andere, als einfach. Beim Schießen eines traditionellen Bogens gibt es, anders als bei einem technischen Bogen (Recurve, Compound, Blankbogen), keinen speziellen Schießstil. Näher beschrieben habe ich dieses Thema in meinen Berichten „Was ist traditionelles Bogenschießen“, „Der Schußablauf“ und „Goldfieber versus Lösefehler“.
Um einen guten Schuß abliefern zu können, ist ein immer gleichmäßiger Bewegungsablauf nötig – das sogen. reproduzierbare Schießen. Das trifft übrigens für jeden Stil zu. Obwohl es für den „neuronalen Computer“ völlig gleich ist, wie ein Stil strukturiert ist, so ist aber auch beim traditionellen Schießen die Beachtung gewisser Regeln (Techniken) sinnvoll. Damit erleichtert man sowohl seinem Körper, wie auch seinem Geist die Arbeit, die wir diesen beiden beim Schießen abverlangen.
Wer unter Anleitung trainiert braucht sich darüber weiter keine Gedanken zu machen. Das richtet für ihn schon der Trainer. Es gibt aber auch etliche Bogensportler, die – wie ich – allein oder überwiegend für sich alleine trainieren. Diese müssen ihren Schußablauf selbständig kontrollieren, damit einzelne Abläufe nicht heimlich „aus dem Ruder laufen“.
Der Mensch vermag nicht bewußt zwei Dinge gleichzeitig neuronal unter einen Hut zu bringen - einerseits einzelne Bewegungsdetails zu kontrollieren und
zum andern konkret einen Zielpunkt anzuvisieren. Also muß das ganze getrennt werden. Ein solches additives Vorgehen hat aber so seine Tücken. So wird oftmals der erste Part (Bewegungsablauf) zu früh "abgeschlossen" und auf Zielen umgeschaltet. Hierin besteht jedoch die Gefahr, wieder in alte "Geburtsfehler" zu verfallen.
Der zweite Teil an sich - die Zielerfassung - erweist sich aber genau so als anfällig.
Mir unterlaufen z.B. hin und wieder Patzer beim Lösen und/oder Nachhalten. Je besser und unbewußter mein Schießen abläuft, umso anfälliger werde ich dabei für Fehler. Unbewußtes, intuitives Schießen tendiert dann hin zu einem „schlechten“ Schuß. Der Pfeil verläßt nicht mehr sauber den Bogen und die Zughand macht sich ungewollt „selbständig“. Das läßt sich dann auch am Trefferbild ablesen. Kurz gesagt: Die Körperspannung ist "zusammen gebrochen".
Eigentlich werden damit einmal mehr die Probleme sichtbar, wie sie in dieser Form beim Schießen eines technischen Bogens beschrieben sind. In diesem Stil hat sich der Schütze vor dem Lösen voll auf die Rückenspannung zu konzentrieren. Wird die Achtsamkeit von dieser auf das Zielen verlagert, so wird die Rückenspannung wieder zusammenbrechen. Das führt dann zu einem unkorrekten Lösvorgang mit den bekannten Folgen.
Zum einen ist zur Erlangung eines korrekten Bewegungsablaufs systematisches Vorgehen nach den Vorgaben des technischen Stils essentiell (ohne richtige Technik geht nichts!). Zum andern wird aber ein ungezwungener Ablauf beim Schießen eines traditionellen Bogens (z.B. intuitives Schießen) anzustreben sein.
In diesem Punkt kreuzen dann zwei Seelen in meiner Brust die Klingen. Seit langem versuche ich, die Elemente dieser beiden Szenarien zu analysieren, zu gewichten und mit meinem Stil - wo möglich und sinnvoll - abzugleichen.
Durch das Ausprobieren der beiden Stilrichtungen habe ich klare Vorstellungen von dem, was ich in meinem Schußablauf als Basis benötige, und welche Elemente ich sozusagen als Shell darüber lege. Bei der Ausführung stoße ich aber immer wieder auf meine bio-neuronalen Grenzen. Trotzdem versuche ich weiter, vorallem beim Abschluß (Lösen und Nachhalten), eine Symbiose zu finden, mit der ich zu frieden bin.
Dazu schließe ich beim Auszug, Lösen und Nachhalten phasenweise die Augen, vor allem beim Lösen. Gezielt wird natürlich mit geöffneten Augen! So kann ich genau erfühlen, wie der ganze Körper ausgerichtet ist, wie der Bogen in der Hand liegt, wo sich die Finger der Zughand befinden und wie dann beim Lösen die Sehne durch die Finger flutscht.
Der ganze Prozeß läuft unter dieser "inneren" Kontrolle, wie bei einer Visualisierung, korrekt und präzise ab. Auch das Nachhalten ist gut wahrzunehmen. Das ist für mich der Stoff, aus dem sich ein guter Schuß entwickeln kann.
Wenn ich dann nach einer kurzen Zeit des Verharrens (Nachhalten) wieder die Augen öffne weiß ich bereits, daß ich soeben einen guten Schuß abgegeben habe. Meist sitzt der Pfeil auch noch ganz passabel, entweder in der gelben Zone, oder kurz daneben. Leider reicht bei mir die Halbwertszeit einer solchen stabilen Phase nicht lange an. Mitunter ist das Verfallsdatum bereitst schon nach dem 3. oder 4. Pfeil erreicht. Leider.
Resumee
Ein beständig korrekter Bewegunsablauf ist Voraussetzung für gute Schüsse. Wird dann ein Pfeil, auf der Basis eines sauberen Stils, mit der Technik aus der Werkstatt des technischen Schießens, mit einem intuitiven Feeling [traditionelles (intuitives) Schießen], abgelassen, dann stimmt alles, Schießen und Treffen.
Ein solcher Ablauf mag wohl nur von einem sehr guten Schützen zu erwarten sein. Mir ist solches über einen längeren Zeitraum (Wettbewerb) bislang noch nicht gelungen. Wenn ich aber Pfeile, wie zuvor beschriebenen, auch offenen Auges aus dem Bogen fliegen sehe und verfolgen kann, wie sauber sie ins Ziel rauschen, dann weiß ich genau, das sind „gute Schüsse“.
Momente dieser Art wünsche ich jedem/der Schützen/in, ganz gleich, ob im Freizeit- oder im Sportbereich.
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Abstract
Gute Schüsse
Das Schießen eines traditionellen Bogens
bietet genügend Spielraum für jede Stilart, ob im Freizeit- oder im Sportbereich. Jeder / jede wird sich wünschen, die Pfeile so gut wie möglich aus dem Bogen zu bekommen. Die beste Voraussetzung dafür ist natürlich ein guter Schuß. Doch was ist unter einem solchen zu verstehen und wie ist er zu erreichen?

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