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Der mediterrane Griff – eine Herausforderung (nur?) für mich
Lt. WKO DBSV ist ab April 2008 für Jagdbogen - Ausrüstung Teil 2-2.5, und Langbogen - Teil 2-2.4, der mediterrane Griff vorgeschrieben
Der Sehnengriff
Ein guter Schuß ist immer das Ergebnis aus vielen exakt ausgeführten einzelnen Elementen. Eines davon ist der Sehnengriff.
Je nach Stil wird in der Wettkampf Ordnung (WKO) der nationalen Sportverbände, ausgehend von den Regeln der FITA (1) bzw. der IFAA (2), für den Fingerablaß einer der folgenden drei Sehnengriffe vorgeschrieben bzw. zugelassen:
Bild 1: mediterraner Griff
Bild 2: Untergriff (drei Finger)
Bild 3: Stringwalking
Bis zum Frühjahr 2008 habe ich auf Wettbewerben des DBSV, FITA-Halle, meinen Jagdbogen (Recurve traditionell) nach dem bis dahin gültigen Untergriff (*) regelkonform gezogen, wenn auch nur mit zwei Fingern.
Bemerkung(*): Der Satz B.1.(5).1. Ausrüstung Jagdbogen, der WKO DBSV, 2002 ff, lautete:
„Beim Schießen muss mindestens ein Finger der Zughand während des Auszuges bis zum Ablassen des Pfeils die Pfeilnocke von oben oder unten berühren. Die Berührung der Nocke muss bei allen Schüssen gleich sein. String- oder Facewalking sind nicht gestattet.“
Mit der längst überfällig gewordenen Neugestaltung des Stils Jagdbogen (genau genommen gab es diesen Stil bis dahin nur als Anhängsel zum Stil Blankbogen!) wurde in der WKO April 2008, Teil 2-2.5, Ausrüstung, der mediterrane Griff (ein Finger über und zwei Finger unter der Nocke) als verbindlich eingeführt. Dasselbe gilt übrigens auch für den Langbogen, Stil 2.4. Auch der 2010 in der WKO neu aufgenommene Primitivbogen, Stil 2.7, muß mediterran gezogen werden.
Mein Zwei-Finger-Untergriff
Über den „Fehlgriff“ dieser Vorschrift des Sportausschusses DBSV, mit der eventuell ein differenziertes Abgreifen der Sehne unterhalb der Nocke unterbunden werden soll (Stringwalking !?), habe ich an anderer Stelle ausführlich berichtet.
Nun ist es sinnvoll, die Regeln der nationalen Bogensport Verbände denen der internationalen anzugleichen. Damit wird gewährleistet, daß die Bogenschützen, die ihren Sport über unsere Landesgrenzen hinaus ausüben, nicht ständig ihre Schießtechnik umstellen müssen. Manche der übernommenen Regeln finde ich aber weniger hilfreich.
So läßt z.B. die IFAA in ihrem Regelbuch 2009 -2010, Kapitel E.) Schießstile, unter Absatz 4. Bowhunter (dieser Stil paßt zwar nicht ganz zu unserem Stil Jagdbogen) unter Absatz f.) einen differenzierten Sehnengriff zu.
„Der Schütze muss mit dem Zeigefinger die Pfeilnocke berühren. Er darf die Fingerposition während des Wettbewerbs nicht verändern. Ausgenommen sind Fälle von körperlicher Behinderung, für die spezielle Ausnahmen gemacht werden.“,
so heißt es da. Nach dieser Regel dürfte sowohl der mediterrane Griff (Zeigefinger berührt die Nocke oberhalb), wie auch der Untergriff (Zeigefinger berührt die Nocke unterhalb), angewendet werden.
Beim DFBV (Deutscher Feldbogen Sportverband) wird für den Langbogen (LB) Stil 0, unter 3.1.8 der „mediterrane Abschuß“ vorgeschrieben. Die Stilart des „Jagdbogen“ wird hier etwas anders eingeteilt, als beim DBSV. Unter 3.5.8 gilt für den Bowhunter Recurve (BH-R) Stil 6, und Compound (BH-C) Stil 7, daß der Bogen mit „mediterranem Abschuss” geschossen werden kann! Wird allerdings der Untergriff verwendet, so heißt es weiter, muß der Zeigefinger die Nocke oder, soweit vorhanden, den Klemmring (o.Ä.) berühren.
In der SpO des DFBV, Stand 06-2010, wurde unter 3.9 der Stil B eines traditionellen Recurve Bogen (TRB) neu geschaffen. Auch hier muß jetzt der Bogen mit einem „festen mediterranen Ablaß“ geschossen werden. Ein Untergriff ist nicht zulässig.
Wie denn auch sei, für mich galt es nun, meinen bisherigen Schußablauf – mit dem Sehnengriff allein ist ja noch nicht getan – auf diese neue Situation umzustellen. Durch Verletzungen des Ringfingers meiner rechten Hand wurde für mich das Abgreifen der Sehne jedoch auf einmal zu einer schmerzhaften Angelegenheit.
Mein mediterraner Griff
(Ringfinger ohne Belastung)
- Nocke wird eingeklemmt
Gut, ich konnte den Ringfinger beim Griff der Sehne hängen lassen, ihn nur optisch mitnehmen. Beim Aufteilen der Zugkraft blieb er dann unberücksichtigt.
Jetzt trat aber wieder ein anderes Problem auf. Beim Einhaken der Sehne wurde die Nocke von meinem Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt. Meine alten Fingergelenke wollten da nicht mehr mitmachen. Da half auch kein Tab mit noch so dickem Fingertrenner.
Die Folgen sind ja bekannt. Wenn der Pfeil nicht schon beim Auszug von der Auflage herunter gedreht wird, so wirkt sich das spätestens beim Lösen aus. Meistens kommen Streuschüsse dabei heraus.
Nun will ich die Schuld für meine inzwischen bescheidener gewordenen Ergebnisse nicht allein diesem Griff geben. Schließlich schießen viele Bogner auf der ganzen Welt mit diesem Griff. Und sie scheinen alle damit hochzufrieden und sehr erfolgreich zu sein. Nein, das ist es ganz gewiß nicht. Aber indirekt hängt doch wieder alles mit dieser Umstellung zusammen.
Durch das ständige Rumgeeiere mit der eingeklemmten Nocke wurde meine ganze Konzentration vom Zielmittelpunkt abgelenkt. Darunter hat mein gesamter Schußablauf gelitten. Das Treffen wurde zur reinen Glücksache - Desaster hoch drei.
Der Stilwechsel vom Jagd- zum Blankbogen
Nun scheine ich mit dieser Regelauslegung des DBSV nicht allein im Clinch zu liegen. Einige meiner Bekannten stehen dieser Vorschrift ebenfalls kritisch gegenüber. Zu den Hallen-Ligaturnieren sind etliche in diesem Stil nicht mehr angetreten. Als einer von ihnen mit seinem Langbogen auf Wettbewerben des DSB in der Stilart Blankbogen gestartet ist, habe ich mich aber gewundert.
Selbst wollte ich soweit aber nicht gehen. Dafür lagen mir die beiden Stile – Jagdbogen / Blankbogen – vom Aufbau des Bogens und der Schußtechnik her, zu weit auseinander. Ein Blankbogen ist für mich ein abgetakelter „technischer“ Recurve. Und so wird er auch geschossen: Der Bogen wird senkrecht gehalten. Die Sehne wird vor die Nasenspitze oder an die Nase gelegt, um den Sehnenschatten zum Ausrichten des Bogens einbeziehen zu können. Die Pfeilspitze wird mittels Stringwalking in die Zielmitte gerichtet. Das alles sind Dinge, die für einen BB-ner State of the Art sind. Sie passen aber nicht in mein Bild vom Schießen eines traditionellen Jagdbogens.
Zur diesjährigen Wintersaison 2010/11Halle der OWL-Liga bin ich von meinem eigentlich recht großen Verein als einziger Teilnehmer gemeldet worden. Vom dem Club, der das 1. Turnier ausgerichtet hatte, wurde mir ein Platz an einer 40ger Scheibe zugeteilt!?! Diese habe ich dann mit meinem Jagdbogen, allerdings in der Wertung des Stils BB, mitgeschossen.
Einmal damit angefangen gedachte ich, die ganze Wintersaison, also alle sechs Wettbewerbe, in diesem Stil mit zu schießen. Damit konnte ich wieder den Untergriff anwenden.

Meine drei z.Z. aktuellen Bogen
vorn Eta 2008
Mitte Theta 2010
hinten W&W Winact (2007)
Kurzerhand wurde mein technischer Recurve, ein W&W Winact mit max. 66 inch Länge, rausgekramt. Auch das gesamte Equipment, einschließlich der Pfeile, wurde auf diesen Bogen umgestellt.
An meinen ehemaligen Schießstil habe ich aber mit diesem Bogen nicht wieder anknüpfen können. Mit meinem inzwischen weitgehend „traditionellen“ Stil, einen Bogen zu schießen, bin ich aber auch nicht viel weiter gekommen.
Mein gesamter Bewegungsablauf hatte sich verändert. Nichts hatte mehr gepaßt. Selbst ein Anfänger hätte mehr Pfeile auf der Auflage untergebracht, als ich. Bei einem weiteren Versuch, diesmal wieder mit meinen traditionellen Jagdbogen, habe ich aber auch nicht besser geschossen. Irgendwie mußte ich jetzt reagieren.
Weiter intuitiv schießen oder Schießen nach einem „System“?
Wer an einer Scheibe zusammen mit BB-nern steht, die einen blanken (abgetakelten) Recurve schießen, der überlegt sich schon, ob er mit seinem JB nur mitschießen will wie bisher, oder sich dem Stil entsprechend anpassen möchte.
Fakt ist, daß die BB-ner mit ihrem Schießstil (siehe Vorheriges) meist höhere Ergebnisse erreichen, als die JB-ner. Zudem wird in diesem Stil in der Halle auf 40ger, statt auf 60ger Auflagen geschossen. Natürlich kommt als wichtigstes Merkmal noch das Abgreifen der Sehne unter der Nocke hinzu, das sogenannte Stringwalking. Mit der bewußt zielenden Fraktion der BB-ner kann ich mit meinem unbewußten (intuitiven) Zielen jedenfalls nicht mithalten. Wer das glaubt zu können, der zählt entweder zu den begnadeten Menschen, wie z.B. Howard Hill, oder er hat noch nicht die richtigen Mitbewerber angetroffen.
Meine Erfahrungen besagen jedenfalls: Wer präzise treffen will, muß auch präzise zielen. Und das geht in aller Regel nur über ein bewußtes Systemschießen, nicht intuitiv. Zum Vergleich die Ergebnisse zweier Wettbewerbe:
Beispiel 1.
DM DBSV BoV 2010, 28./29.08.2010, Oberbauerschaft
- Herren Blankbogen: ges. 1248
- H ü 45 Blankbogen: ges. 1235
- Herren Jagdbogen: ges. 1167
- H ü 45 Jagdbogen: ges. 1228
Beispiel 2
DM DBSV Halle BoV 2010, 28.02.2010, Nieder-Florstadt
- Herren Blankbogen: ges. 517
- H ü 45 Blankbogen: ges. 485
- Herren Jagdbogen: ges. 511
- H ü 45 Jagdbogen: ges. 521 (!Regelbestätigung!)
Ausgehend von einer solchen Überlegung habe ich also wieder versucht, bewußt zu zielen. Für mich heißt das konkret, die Pfeilspitze auf einen imaginären Zielpunkt halten (Point of Aim). Funktioniert hatte diese Methode bei mir schon früher nie so richtig. Das mag vor allem daran gelegen haben, weil ich dazu nicht das ganze Prozedere des BB-Schießens, wie vor beschrieben, angewendet habe.
Mixtur aus System- und intuitivem Schießen
Einzelne Elemente aus den beiden Zielarten - System- und intuitivem Schießen (Split Vision) - zu verwenden führt meist immer dazu, verstärkt eines der beiden Systeme zu bevorzugen. Mit dem jetzt überwiegend bewußten Zielen über die Pfeilspitze ist mir durch das Schießen mit einem Seitenanker (wie bisher) die korrekte visuelle Ausrichtung des Pfeils über seiner Längsachse verloren gegangen. Mehr als den imaginären Zielpunkt anzupeilen und durch Hinführen der Pfeilspitze diese mit ihm in Deckung zu bringen, war mir in einem Zielvorgang nicht möglich.
Den danach erforderlichen geistigen Schwenk auf die Zielmitte, zur Konzentration auf den zu treffenden Zielpunkt, habe ich zwar noch vornehmen können. Dabei blieb jedoch, für mich unmerklich, das Pfeilende auf der Strecke.
Beim reinen intuitiven Schießen spielt solch eine „Abweichung“ keine Rolle. Das gleicht der NC (neuronale Computer) von sich aus. Aber jetzt, unter der Vorherrschaft des Bewußtseins, war das alles anders. Erst durch eine Kontrolle des Pfeils auf seinem Weg vom Vorauszug (Bogen über den Pfeil ausrichten) bis hin zu meiner Referenzposition unter dem Jochbein, ist mir das vor einem Spiegel bei einem ganz langsamen Auszug aufgefallen.
Während des Vollauszuges bleibt die Ausrichtung der Pfeilachse auf den Zielpunkt bis hin zum Gesichtskontakt korrekt erhalten (Bild 1.). Auf der kleinen Reststrecke bis zur Referenzposition meines Zeigefingergelenkes unter dem Jochbein gleitet jedoch die Zughand vor dem Gesicht ein kleines Stück weiter seitwärts nach außen, vielleicht nur 3-4 mm (Bild 2.). Dieser Bewegung folgt natürlich auch das Pfeilende mit der Nocke. Nun stimmten Blickrichtung (Schütze) und Pfeilrichtung (Bogen) nicht mehr überein! Die Pfeilrichtung ist nach links abgewichen!

1.) Pfeil-Blickachse: „Frontanker“

2.) Pfeil-Blickachse: „Seitenanker“
Beim Schußablauf selbst habe ich das nicht gemerkt. Erstens läuft dieser Vorgang sehr schnell ab, und zweitens denke ich beim Schießen an den zu treffenden Zielpunkt, und an nichts anderes. Aber diese Abweichung macht sich auf einer Entfernung von 18m mit über 100 mm bemerkbar.
Ziehe ich aber die Sehne nur bis zum Ende einer gradlinigen Bewegung, genau auf mein Auge zu (ich bezeichne das einmal mit einem „kurzen Frontanker"), so steht die Mittelwicklung der Sehne voll vor meinem führenden Auge. Jetzt stand ich plötzlich vor einem neuen Problem – die Mittelwicklung endete beim Vollauszug in meinem Blickfeld! War das nun nach dem Regelwerk des DBSV zulässig, oder nicht, habe ich mich gefragt?
Die Sehne im Regelwerk der Bogensport Verbände
In der WKO 2008 des DBSV, Teil 2-2 Ausrüstung, steht für die Stile LB, JB und BB ein für mich unverständlicher Satz. Er besagt: "Die Mittelwicklung der Sehne darf bei vollem Auszug nicht im Blickfeld des Wettkämpfers enden". In der WKO vom 30.12.2002, Teil B. Sportteil, Ausrüstung, lautete der Satz noch so: "Die Mittelwicklung der Sehne darf nicht im Blickfeld des Schützen enden." - also ohne den Zusatz auf den Vollauszug. Was soll das heißen – bei vollem Auszug - und warum überhaupt diese Maßnahme?
Als Schütze eines traditionellen Stils kann ich hier nicht mitreden. Aber irgendwie muß an dem Dreh mit der Mittelwicklung etwas dran sein. Schließlich wird dieser Passus in der WKO 2010 des DBSV unter Teil 2.1.1, generell auf alle Bögen und alle Bogenklassen bezogen! Hier wurde sicherlich ganz einfach eine Formulierung der FITA, aus Book 3, Chapter 8, Indoor Archery Rules, Stand April 2010 „wörtlich“ übersetzt fortgeschrieben.
Da heißt es im Kapitel 8.3.1
For the Recurve Division, the following items are permitted,… und weiter in Abschnitt 8.3.1.2.1: The serving on the string must not end within the athlete’s vision at full draw.
Warum wurde der Zusatz „at full draw” auf einmal wieder aufgenommen? Was machen vor allem die Schützen mit der Mittelwicklung („serving on the string“), die einen Recurve mit einem Visier, bzw. einen Blankbogen, schießen? Und wer kontrolliert so etwas?
Diese Formulierung ist für mich entweder doppeldeutig, irreführend oder/und schlichtweg unsinnig. Unter „enden“ kann einmal bedeuten, daß das Ende der Wicklung nicht so kurz sein darf, daß es beim Vollauszug vor dem führenden Auge zu stehen kommt (Zielhilfe!?). Es kann aber auch bedeuten, daß die Mittelwicklung insgesamt auf dem Weg vom Vorauszug, wo die Ausrichtung des Bogens über die MW noch erlaubt wäre, beim Ankern (Vollauszug) aber nicht vor dem Auge „enden“, d.h. zur Endposition kommen darf. Und das würde doch nichts anderes bedeuten, als das Schießen ohne den Sehnenschatten.
Wenn aber nur das obere Ende der MW gemeint sein soll, wie mir ein Mitglied des Verbands-Vorstandes versicherte, warum wird das dann nicht gleich so geschrieben? Z.B.: >Das obere Ende der Mittelwicklung darf sich beim Vollauszug/Ankern nicht im Blickfeld des Schützen befinden<. Aber das könnte ja jeder normale Mensch, wie ich, verstehen!
Bei der IFAA, Regelbuch 2011-2012, deutsche Übersetzung ÖBSV, D.) Ausrüstung, und weiter unter E.) Schießstile, gibt es weder unter 4.) Bowhunter, noch unter einem anderen Stil einen Hinweis auf die Mittelwicklung der Sehne, geschweige denn eine dementsprechende Einschränkung.
Und beim DFBV, wird, wenn überhaupt, nur bei einigen Stilen, wie z.B. Barebow – und Bowhunter Recurve, allgemein hingewiesen, daß Bögen, Pfeile, Sehnen und Zubehör von ….. zum Zielen frei sein müssen.
Sehnenschatten oder was ?

Ankern im Mundwinkel, den Bogen
neigen und trotzdem
einen
Sehnenschatten wahrnehmen
Dieser, als Sehnenschatten bekannte Effekt, läßt sich selbst beim Schießen eines traditionellen Bogens mit einem üblichen „Ankerpunkt“ (Kuppe des Zeige- oder Mittelfingers im Mundwinkel) erreichen.
Werden jetzt Bogen und Kopf im gleichen Winkel geneigt, bleibt die Situation geschlossen, d.h., auch der Sehnenschatten bleibt erkennbar.
Wird aber nur der Bogen geneigt, öffnet sich die Situation. Der Sehnenschatten wird mit dem Bogen aus der zentralen Blickrichtung nach außen gedreht. Nicht viel, aber immerhin.
Durch einen „langen“ Seitenanker jedoch wandert der besagte Sehnenschatten, physikalisch bedingt, seitlich nach außen, u.zw. ganz gleich, ob dabei der Bogen senkrecht gehalten oder geneigt wird. Ein Wahrnehmen des Schattens von der Mittelwicklung ist somit nicht mehr möglich.
Und in der Praxis

Sehne vor/an der Nasenspitze
=> Zielen mit Sehnenschatten
Wie beim Schießen eines BB, so wird auch teilweise mit dem Jagdbogen, unter Verwendung eines „kurzen“ Ankers, die Sehne
beim bewußten Zielen nach einem "System" vor oder an die Nasenspitze gelegt.
Der Abstand der Mittelwicklung der Sehne zum führenden Auge beträgt dabei zwischen 5 bis 8cm.
Die Nahakkomodation, daß ist der Bereich, ab dem ein Auge imstande ist, einen Gegenstand scharf abzubilden, liegt bei einem Menschen mittleren Alters zwischen 12 und 30 cm. Mit zunehmendem Alter wird sich dieser Wert rapide verschlechtern.
Ein bewußt zielender Schütze wird diesen Teil der Sehne also lediglich unscharf wahrnehmen können. Zudem wird beim Bogenschießen (anders als beim Schießen einer Pistole oder einer Langwaffe mit einer offenen Visierung) beim Zielen der Fokus auf den „fernen“ Zielpunkt gerichtet. Selbst wenn das obere Ende einer Sehnenwicklung also im Blickfeld des Schützen liegen sollte, wird dieses unscharf abgebildet. Der Wert der Mittelwicklung als direkte Zielhilfe bleibt, jedenfalls für mich, somit fraglich.

„langer“ Seitenanker
=> kein Sehnenschatten!
Bei einem Seitenanker liegt dagegen die Sehne immer außerhalb des Blickfeldes. Dafür rückt, durch die Neigung des Bogens, die Pfeilachse unter die Blickrichtung des führenden Auges. Das halte ich bei dem sogen. intuitiven Schießen für unbedingt sinnvoll. Obwohl der Pfeil physikalisch vorhanden ist wird er dabei aber nicht bewußt zum Zielen verwendet!
Schließlich muß sich unser neuronaler Computer über den dioptischen Apparat (Augen) die Informationen zur Ausrichtung des Bogens aufnehmen um das Ergebnis (Stellwert) über die Muskeln und Sehnen von Bogen- und Zughand (Stellglieder) weitergeben zu können.
Eine mögliche Lösung für dieses Problem könnte so aussehen:
1.) Die Einschränkung für die Stile Recurve, Compound und Blankbogen einfach wieder aufzuheben
2.) Für die anderen (traditionellen) Bogen ist ein Anlegen der Sehne vor dem Führenden Auge zu untersagen. Ob dafür ein Seitenanker oder ein Anker vor der Brust, hinter dem Ohr oder sonst wo verwendet wird, sollte freigestellt bleiben, und
3.) Die Sehne traditioneller Bogen darf nur einen Nockbegrenzer haben, nicht zwei!
Letztendlich ist aber zu fragen, was all dieser Regelkram soll? (Siehe DFBV!)
Quintessenz
Es galt jetzt für mich all diese Erkenntnisse in ein festes Ablaufmuster einzubauen. Das Ergebnis, das ich aber bislang mit der Methode - teils bewußt, teils unbewußt Zielen - erreicht hatte, war aber, wie schon Jahre zuvor, als ich ebenfalls mit dem bewußten Zielen experimentiert hatte, alles andere als zufrieden stellend.
Die ersten drei Wettbewerbe habe ich deswegen als „Lehrgeld“ voll abgehakt. Für die restlichen mußte ich mir aber etwas einfallen lassen. Nur Was? Den Zwei-Finger-Untergriff wollte ich aber beibehalten. Schließlich habe ich den ganzen Aufwand nur deswegen betrieben.
Beide Versionen – bewußtes / unbewußtes Zielen – habe ich nochmals mehrere Tage kritisch unter die Lupe genommen. Schließlich habe ich dann den Schwerpunkt des Trainings wieder auf den intuitiven Teil gerichtet.
Dabei habe ich versucht, beim Endauszug eine zu große Seitenabdrift des Pfeilendes zu vermeiden. Herausgekommen ist eine „mittlere“ Referenzposition der Zughand, die zwischen einer „kurzen“ Front- und einer „langen“ Seitenanlage anzusehen ist. Trotzdem ist dabei noch ein bißchen vom Sehnenschatten wahr zu nehmen. Für das Ausrichten an der Bogenkannte läßt das sich aber nicht verwenden.
Meine lange Testphase
Während der Zeit, in der ich an diesem Artikel gearbeitet habe, sind alle Details von mir ausgiebig auf Entfernungen zwischen 6, 9 und 11 m getestet worden (Wintertraining im Haus). Dabei habe ich etliche Methoden zur Überprüfung angewendet.
Um Bewegungsabläufe möglichst genau erfassen zu können, regelrecht zu „erfühlen“, wurden sowohl beim Vollauszug (bis zur Referenzposition), wie auch beim Lösen, zeitweise die Augen geschlossen gehalten.
Eine visuelle Kontrolle der Bewegungen über einen seitlich angeordneten Spiegel ließ Rückschlüsse auf den Ablauf auch nur indirekt zu. Entweder geht der Blick in den Spiegel, oder nach vorn auf den Zielpunkt. Beides habe ich als nicht gleichwertig empfunden.
Und auf Videos, die ich gemacht habe, ist ein Fehler immer erst im Nachhinein festzustellen.
In einer solchen Situation kommt man sich irgendwie gedoppelt, oder gezweiteilt vor. Zum einen ist man Schütze, zum anderen aber wiederum Trainer. So aber wird es wohl jedem ergehen, der für sich alleine übt.
Unterschiede beim Schießen auf halber Wettbewerbsstrecke
Durch den schneereichen und kalten Winter 2011 war es mir nicht möglich, zwischendurch auf meiner Außenanlage zu trainieren. So konnte ich die Indor gemachten Erkenntnisse immer nur auf den Hallen-Wettbewerben selbst über die 18m-Distanz ausprobieren. Das waren keine optimalen Bedingungen, aber immerhin besser, als den Bogen gar nicht in die Hand nehmen zu können.
Bei der Umstellung von der halben Entfernung auf die Originallänge von 18m stellte sich allerdings ein ganz typisches Problem ein - das unterschiedliche Größenverhältnis der Auflage.
Daher habe ich mir eine verkleinerte 10-Ring-Auflage mit 20 cm Durchmesser angefertigt. (halbe Entfernung = halber Durchmesser). So entsprach wenigstens der visuelle Eindruck, also die optisch wahrgenommene Größe der Auflage beim Training, dem des Originalzustandes.
Bedingt durch die immer gleiche Flugbahn des Pfeils blieb dabei allerdings der unterschiedliche Abstand zwischen Zielpunkt und Zielmitte auf der jeweiligen Entfernung unberücksichtigt.
Einfluß der Flugbahn auf den Zielpunkt
Beim Zielvorgang ist der Pfeil selbst für das Auge immer präsent. Dabei spielt es keine Rolle ob der Schütze diesen visuellen Eindruck bewußt für den Zielvorgang einsetzt, oder nicht. Wenn sich zudem die Blickachse des Auges genau über der Längsachse des Pfeils befindet, was u.a. auch durch das Neigen des Bogens erreicht werden kann, so ist das für die Ausrichtung des Bogens in der Rechts- Linksabweichung von großem Vorteil.
Für die Ausrichtung des Bogens auf die Entfernung ist der Abschußwinkel zuständig. Allerdings kommt hier noch eine weitere Variable ins Spiel, die Abschußgeschwindigkeit. Diese ist durch eine immer gleiche Länge des Auszugs als konstant anzusetzen.
Aus den letzten zwei Variablen ergibt sich, bei gleicher Bogen-Pfeilausrüstung, eine immer gleiche Flugbahn des Pfeils. Der Punkt, an dem diese Wurfparabel die Blickrichtung des Schützen schneidet, nennt man den Nullpunkt des Bogens.
Bei meiner jetzt verwendeten Bogenausrüstung liegt dieser Nullpunkt bei knapp 20m. Beim Schießen auf 18 m befindet sich somit die Pfeilspitze etwas unterhalb der Zielmitte. Das ist ganz praktisch, auch wenn die Pfeilspitze nicht bewußt zum Zielen eingesetzt wird. Auf der halben Entfernung liegt aber der imaginäre Zielpunkt der Pfeilspitze etwa 25 cm unter der Zielmitte. Er befindet sich damit noch unterhalb der Unterkante einer 40ger Auflage.
Beim intuitiven Schießen ist es völlig egal, um welchen Abstand es sich dabei handelt. Durch den kognitiven(*) Lernprozeß wird im Laufe der Zeit diese Kleinigkeit durch das Unterbewußtsein ausgebügelt.
Wird aber ein Mix z.B. aus "Point of Aim" und "intuitivem Schießen", ähnlich dem "Split-Vision", angewendet, so ist es trotzdem sinnvoll, diese beiden Punkte so nah wie möglich zusammen zu bringen. Nicht umsonst wenden die BB´ner dazu das Stringwalking an. Da ich aber aus Prinzip nicht stringwalke, habe ich versucht, mit einem schwächeren Bogen diesen Abstand etwas zu verringern.

W1: Wurfparabel Bogen "1" mit Nullpunkt (Entfernung) "L1"
W2: Wurfparabel Bogen "2" mit Nullpunkt (Entfernung) "L2"
Unter diesen Voraussetzungen habe ich dann die letzten drei Wettbewerbe absolviert - auf der halben Entfernung mit einem schwächeren Bogen trainieren und über die volle Entfernung im Wettbewerb mit einem stärkeren Bogen schießen. Aber irgendwie geht nichts über ein solides Training unter immer gleichen Bedingungen.
Bemerkung (*):
Unter Kognition (lat. cognoscere: "erkennen") ist ein komplexer Prozeß der Informationsverarbeitung zu verstehen. Dabei können Abläufe (z.B. Bogenschießen) durch Übung und später über Erinnern, Vergleichen und Handeln, optimiert werden.
Resumee
Für mich stellt das Schießen mit einem Bogen einen fortlaufenden dynamischen Prozeß dar. Ausprobieren von Material gehört ebenso dazu, wie Details des Bewegungsablaufs zu erproben und zu analysieren. Die Vorschrift, den mediterranen Griff anzuwenden, war auch für mich eine harte Herausforderung. Ihr konnte ich durch den Wechsel in einen anderen Stil ausweichen.
Solch gravierende Eingriffe an der einen Stelle des Schußablaufs haben jedoch mitunter größere Auswirkungen zur Folge, als anfangs zu vermuten ist. Sie ziehen meist weitere Probleme nach sich.
Bis wieder ein neuer, „runder“ Stil gefunden ist, sind viele Tage des Ausprobierens erforderlich. Mir kam es dabei immer darauf an festzustellen, was alles machbar ist und wie es sich in der Praxis (also auf Wettbewerben) bewährt.
Aber grade diese kleinen (Un)-Möglichkeiten machen für mich das Schießen eines traditionellen Bogens im Sportbetrieb so interessant.
Allen Bogenschützen, nicht nur den „Traditionellen“, wünsche ich auf ihrem Bogenweg viel Erfolg und recht viel Spaß bei der Ausübung ihres Hobbys – und möglichst wenig, von den Verbandsaktiven, über die WKO produzierte, unspezifische Erschwernisse.
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Abstract
Der mediterrane Griff
Mit der WKO 2008 des DBSV wurde für Jagd- und Langbogen der mediterrane Griff vorgeschrieben.
Die Umstellung vom Untergriff stellte für mich eine große Herausforderung dar.
Meine Erfahrungen und Konsequenzen werden in diesem Beitrag behandelt.

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